Charterwechsel am Freitag

20. Februar 2010

Windstärke 8, auflandiger Wind, brechende Seen, kein Schiff auf dem Wasser. Wer läuft bei dem Wetter auch aus?! Hafentag in Can Pastilla (Palma de Mallorca), wo die Wellen über die Mole spritze und der Wind in den Riggs heult. Doch weit draußen segelt einer, jemand der es gewagt hat und bei dem Wetter auf See ist. Na, hoffentlich geht alles gut. Die Yacht kommt näher. Ein kleines Schiff ist das, vielleicht 36 Fuß lang, fünf Mann an Deck müssen ordentlich kämpfen. Wie das schaukelt und spritzt, mit denen möchte jetzt niemand tauschen. Ungläubiges, beinahe vorwurfsvolles Staunen an Land. Das Boot nähert sich dem Hafen, gleich haben sie es geschafft, doch sie bergen nicht die Segel. Sie scheinen die Lage zu sondieren und laufen an der Hafeneinfahrt vorbei – zwei, drei Mal. Sie fahren ein zweifach gerefftes Groß und die Rollfock ist auf Handtuchgröße eingerollt. Drei Mann sitzen – unter Dauerbeschuss der Gischt – auf der Deckskante, Luvgewicht gegen Krängung. Ihr Schiff haben sie im Griff, das muss man ihnen lassen. Ob die einen Motorschaden haben und die Maschine nicht starten können? Um Gottes Willen, bei dem Sturm! Tatsächlich, jetzt laufen sie auf die Hafeneinfahrt zu. Warum bergen die nicht wenigstens ein Segel? Mit auflandigen Wind kämen sie doch auch unter Fock gut in den Hafen. Die Wellen werden hier unter Land steiler, jedes Mal wenn das Heck angehoben wird, hat der Rudergänger alle Hände voll zu tun, damit das Schiff nicht aus dem Ruder läuft und querschlägt. Er schafft das, er kriegt sein Boot durch die enge Einfahrt, wo die Wellen am steilsten sind. Full Speed rauscht er da durch, atemberaubend! Nun ist er im glatten Hafenwasser. Der stürmische Wind weht noch immer von achtern, beinahe zehn Knoten schnell ist der kleine Kahn. Zack, da dreht er auf engstem Raum sein Schiff in den Wind; Wende, Fock rüber, sofort stark abfallen. Perfekt! So hat er die Fahrt aus dem Schiff geholt – und kein Kommando war zu hören. Immer noch sind alle Segel oben und jetzt läuft er in das schmale Hafenbecken. Wo will der hin, wie kommt er da wieder raus, da ist überhaupt kein Platz frei, oder? Doch ganz hinten. Schon wieder macht das Schiff zügig Fahrt, da fällt zwanzig Meter vor der Box das Groß – zwei Mann am Mast und wieder ohne Kommando. Auch die Fock rollt sich ein, scheinbar ganz von selbst. Mit drei Knoten schrägt von vorn laufen sie zum Liegeplatz – kein Wort zu hören. Auf jedem Seitendeck steht ein Mann mit einem Festmacher in der Hand, ein weiterer am Bug, zwei im Cockpit. Ein Schritt, die Festmacher sind angebracht und dichgeholt, das Schiff steht und vorne steigt ein Mann seelenruhig auf die Pier.  „Alles klar…, dann können wir ja unser Anleger-Bierchen trinken.“

Aufgebracht kommt ein Mitarbeiter der Charterbasis (die Segelyacht war gechartert) ans Boot. „Hey, was ist los? Maschinenschaden?! Warum seid ihr nicht an die Tankstelle gefahren?!“ Sein Basisleiter beruhigt ihn: „Es hatte die ganze Woche Wind.  Du kennst doch Wolfgang – nicht einen Tropfen Diesel werden die gebraucht haben.“

Wolfgang, der Charterskipper nickt grinsend: „Die wollten segeln, also sind wir gesegelt.“

Ihr wollt segeln? Vielleicht rund Mallorca? Mit einem Skipper? Info unter sy_aura@yahoo.de.


Balearen in der Nebensaison

29. Dezember 2009

Seekarte Baleraren - click für Vergrösserung

In der Zeit von Oktober bis April sind die Balearen das ideale Revier für „echte“ Skippertrainings. Die „Was-ist-wenn-Strategie“.

Revier-Info

Die Balearischen Inseln oder Balearen sind eine Inselgruppe im westlichen Mittelmeer. Dazu gehören neben den eigentlichen Balearen mit den Hauptinseln Mallorca und Menorca auch die Pityusen mit Ibiza und Formentera (mit Espalmador). Neben diesen vier und der fünften, mit Abstand kleinsten bewohnten Insel Cabrera umfassen die Balearen 146 unbewohnte Inseln, zu denen auch die unter Naturschutz stehenden Felseninseln Dragonera und Pantaleu gehören. Größte Insel ist mit 3620,42 Quadratkilometern Mallorca.

Der Name der Inselgruppe leitet sich vom griechischen ballein/baliarides ab, womit die in der Antike gefürchteten Steinschleuderer Els Foners Balears der Inseln gemeint waren, die sich als Söldner auf den Kriegsschauplätzen der Antike verdingten.

Tornado über Mallorca im August

Segelbedingungen

Das Meer um die Balearischen Inseln wird noch deutlich durch die häufigen Mistralwetterlagen des Golfs von Lion beeinflußt. So weht in Mahon/Menorca der Wind an 245 Tagen im Jahr aus nördlichen Richtungen. Der Mistral stammt von der Rückseite weiter nördlich gelegener Tiefdruckgebiete. Er tritt dabei als Starkwind sprichwörtlich aus heiterem Himmel auf, ohne sich vorher durch Wolken oder andere Schlechtwetterzeichen anzukündigen. Wegen des häufigen Nordwindes wird die Umrundung Mallorcas gegen den Uhrzeigersinn empfohlen, da an der rauhen Westküste lediglich Port Sóller als Schutzhafen zur Verfügung steht. Wenn man dann an der Ostküste gegenan muß, hat man eine Vielzahl von Häfen und Buchten zur Auswahl.
Im Bereich der Pityusen (also Ibiza, Formentera und Anhang) machen sich bereits die Windverhältnisse aus Nordafrika bemerkbar: Die Windgeschwindigkeiten sind allgemein niedriger und es weht mehr aus südlichen und östlichen Richtungen.
Das Risiko für Starkwind ist generell von Oktober bis April am höchsten, während im Hochsommer oft Windstille herrscht.

Wie sind solch aussichtslose Lagen zu vermeiden?

Bei Mistal oder Levante (Ostwind) erreicht der Seegang oft eine Höhe von 4-5m und mehr. Immer wieder wird über das Phänomen der „Rissaga“ berichtet: Es handelt sich hierbei um plötzlich auftretende Wasserstandsänderungen, die in bestimmten Häfen und Buchten verheerende Auswirkungen bei den Schiffen haben können. Vor allem im Hafen von Ciutadela/Menorca ist es hierbei schon zu erheblichen Schäden an Yachten gekommen. Die Ursache für das Phänomen „Rissaga“ ist nicht bekannt – vielleicht sind es Mini-Tsunamis.

Skippertraining in der Nebensaison

Eines sollte dem Freizeitskipper klar sein. Auch in den Sommermonaten sind ausgeprägte Starkwind- und Sturmtage nicht auszuschließen. Doch sind für diesen Fall Skipper und Crew den Umständen gewachsen? Welche sind die Vorboten einer Wetterverschlechterung? Hat der Skipper eine Strategie für den schlimmsten Fall? Jetzt aber schnell in den Hafen – aber ist dieser auch sicher?

Trainingsinhalte: Grenzsituationen verlangen einem Skipper weitaus mehr ab, als seglerisches Können, navigatorisches Knowhow oder das Belegen einer Klampe. Er sollte in jedem Fall, für jede Frage eine Antwort parat haben. Wohin soll es gehen? Was sind die Alternativen bei Wetteränderung oder wenn Bucht/Hafen überfüllt sind? Wie und wo endet der Tag, wenn die Verhältnisse einen Kurswechsel erfordern? Die Methode: Wir evaluieren nautische Entscheidungen, indem wir uns mehrfach fragen: Was ist wenn … ? Sind entsprechende „Was-ist-wenn-Umstände“ zuvor eingeschätzt und Maßnahmen dazu besprochen worden, können Skipper und Crew angemessen reagieren. Zzgl. dem Schiffsführer gehen 4 bis 6 Personen an Bord, um gemeinsam in einer Woche ungewöhnliche Situationen in der Praxis zu üben. Das Programm bestimmt vorwiegend das Wetter, Trainingsschwerpunkte werden zu Beginn von der Crew festgelegt. Je nach Größe der Crew findet der Törn auf Segelyachten von 36 bis 50 Fuss statt. Weitere Infos erfragt ihr bitte unter folgender E-Mail-Adresse: sy_aura@yahoo.de


Neues Design für CH72

28. Dezember 2009

Wie man sieht, überarbeiten wir gerade das Design für Channel 72. Demnächst werden auch weitere Funktionen eingebaut und dazu kommt demnächst eine neue Rubrik auf CH72: Charter, bzw. Kojencharter und Mitsegeln. Hier berichten Liveabords und ihre Gäste über Urlaubstörns. Kojencharter wird immer beliebter und so können Interessierte sich über Anbieter und Törnreviere ein Bild machen, um dann ggf. mit den Eignern Kontakt aufnehmen. Desweiteren werden wir CH72 im kommenden Jahr über Facebook promoten. Es geht also weiter mit CH72 und wir hoffen in 2010 mit dieser Plattform die Seglergemeinde noch näher zusammen zu führen.

Happy Sailing in 2010!

Es grüßt alle die CH72-Redaktion.


René (Sven), Viola + Sina haben geschrieben

25. Dezember 2009

Süden

Etwas haben wir Euch bis anhin verschwiegen. Im Februar überraschten uns Adriana und Erhard mit einem besonderen Geschenk. Sie stellten uns Ihr Moped gratis und franko zur Benutzung während unseres Aufenthaltes in Mercedes zur Verfügung. Ein kleiner administrativer Aufwand bei der Verkehrsaufsicht und der Fahrzeugkontrolle und wir waren mobil. Die langen Fussmärsche und das Schleppen der Einkäufe waren passé. Wir haben einige Ausflüge unternommen und die nähere Umgebung von Mercedes kennen gelernt. Und, wir konnten als besonderes Vergnügen  an der „vuelta del perro“ teilnehmen. Wir fühlten uns fast wie Einheimische.

Zur Erinnerung. Mercedes hat am Ufer des Rio Negros zwei sehr breite am Ende mit einem Kreisel versehene Strassen von einem Kilometer Länge die getrennt durch einen mit Palmen bepflanzten Grünstreifen von 20 bis 50 Meter Breite sind. Auf diesen Strassen findet das eigentliche Nachtleben Mercedes statt. Ab 20.00 Uhr zirkulieren Autos, Kleintransporter, Motorräder, Mofas und Fahrräder mir sehr geringer Geschwindigkeit auf und ab. Wer nicht Motorisiert ist steht oder sitzt im Campingstuhl auf dem Trottoir mit der „Mate“ und tut dasselbe wie die Motorisierten. Man plaudert mit dem Nebenan, auch von Auto zu Auto oder Mofa zu Mofa, und verfolgt aufmerksam das Geschen auf und neben der Strasse. Diesen Rundkurs nennt man „vuelta del perro“. Unter der Woche sind die Reihen etwas lichter aber an Samstag und Sonntag ist die Kolonne ohne Lücken. Wir haben bereits im Februar in unsrem Reisebericht „Mercedes“ darüber berichtet.

Inzwischen ist Sommer wie Herbst vorbei und ein strenger Winter hält Regime. In diesem Zusammenhang dachten wir die „vuelta del perro“ finde nur im Sommer statt. Weit gefehlt. Im Winter ist sie am Wochenende noch viel intensiver. Ab 14.00 Uhr beginnt sie und löst sich erst nach Mitternacht auf. Wer nicht an der „vuelta“ teilnimmt sitzt auf einem Campingstuhl am Trottoir  oder parkiert sein Auto mit Bug auf die Strasse gerichtet am Strassenrand. Die ganze Familie sitzt im Auto, eingedeckt mit Mate und Gebäck, und beobachtet das Treiben auf der Strasse. Man stelle sich ein 2 Kilometer langes Autokino vor. Im Verlaufe der Nacht verlassen sie dann ihren Platz und fahren mit sehr geringer Geschwindigkeit nach Hause. Wir haben keinen Automobilisten gefragt warum er so langsam nach Hause fährt. Aber, wir haben inzwischen selbst unsere Rückschlüsse gezogen. Warum sich beeilen, denn es ist nirgends so angenehm warm wie im Auto. Man muss wissen, die wenigsten Häuser hier in Mercedes verfügen über eine Heizung, da die Eigentümer sich die Kosten nicht leisten können. Über eine Zentralheizung, wie sie bei uns nicht wegzudenken ist, verfügen nur  Hotels, exklusive Häuser oder teure Wohnungen. Bei Temperaturen um den Gefrier-punkt, kälter wird es selten, ist es nur noch im Bett gemütlich.

In der Nähe des Hafens haben wir ein älteres Ehepaar in einem kleinen Häuschen entdeckt, das sich nicht mal den Strom für das Licht leisten kann. Ab und zu bringen wir ihnen etwas vorbei. Wir können nicht wegschauen.

Reise in die Schweiz

Viele Jahre ist es her seit ich meine Tochter mit Familie sowie meine Freunde gesehen habe. Vorallem zwei meiner drei Enkelkinder haben mich noch nie gesehen, somit war es höchste Zeit dies nachzuholen. Ein grosses Bedürfnis war es auch meinen vielen Freunden, mit denen ich regelmässig e-Mailkontakt habe, wieder mal die Hand schütteln und gemütlich plaudern. Und, wer kann es mir verdenken, ich wollte wieder mal so richtig eine gute Servelat, eine feine Bratwurst vom Grill und viel guten Schweizerkäse geniessen. Man hat sogar Rhabarber über die Zeit gerettet um mir meine geliebte Rhabarberwähe aufzutischen. Dinge die, was alle die mal längere Zeit im Ausland gelebt haben, echten Schweizern fehlen. Hinzu kam, dass Viola die Schweiz nicht kannte und ich ihr einen kleinen Einblick in unsere Heimat geben wollte. Dies alles unter einen Hut zu bringen war nicht einfach, denn unser Reisebudget war begrenzt. Dies auch deshalb, weil uns und viele andere Reiselustige ein Reisebüro betrog und ungültige e-Ticketts ausstellte. Den Flug mussten wir somit zwei Mal bezahlen was uns sehr schmerzte.

In einem gewissen Sinn bin ich trotzdem ein Glückspilz, denn ein lieber ehemaliger Arbeitkollege und seine Frau stellten uns kostenlos ihr Zweitauto während unseres Aufenthaltes zur Verfügung. Dadurch waren wir sehr flexibel und konnten ein Programm bewältigen das anders nicht möglich gewesen wäre. Alleine oder in Begleitung von Freunden haben wir Ausflüge in die Ostschweiz, die Alpen und die Westschweiz gemacht. Mit wenigen Ausnahmen war uns das Wetter hold wie bei der schönen Fahrt nach Appenzell mit Aufstieg (Gondel-bahn!) auf den hohen Kasten mit dem Panorama in die Alpen, Richtung Österreich und den Bodensee. Oder die Vierpässefahrt, Gotthard, Nufenen, Grimsel und Brünig mit Traumwetter. Bis zu vier Meter hohe Schneemauern konnten wir bestaunen.  In Oberalp begegneten wir noch einem Zeugen vergangener Zeit als das Wort „Hektik“ nicht zum allgemeinen Wortschatz gehörte. Die alte Gotthardpost querte unseren Weg und der Postillon vergass nicht das Posthorn zu blasen.

Viola sah unsere Städte Basel, Bern mit Besuch des Bundeshauses, Luzern und Zürich. Aber auch andere Sehenswürdigkeiten wie den Rheinfall, den Bürgenstock, Gruyère und Murten fehlten nicht in unserer Rundreise. Viola war von der Schönheit unseres Landes begeistert. Nicht unerwähnt soll Besuch bei der Schokoladenfabrik Callier in Broc sein. Mit Stolz konnte ich einmal mehr feststellen: Die Schweizerschokolade ist und bleibt unübertrefflich. Das Bild von Viola beim Degustieren der feinen Pralinen spricht Bände.

Ein ehemaliger Schulkollege organisierte ein Mini-klassentreffen und wir verbrachten bei Bratwurst vom Grill einen schönen und gemütlichen Abend. Meine ehemaligen Studienkollegen mit Frauen richteten den Termin des jährlichen Sommertreffens mit Grillparty nach uns und wir verbrachten einen wunderbaren Tag. Überall waren wir herzlich willkommen und wurden grosszügig bewirtet. Wenn wir jeweils zu Tisch die Letzten waren so nicht weil wir ausgehungert sondern weil wir die mit viel Liebe zubereiteten Gerichte andächtig genossen. Das gemütliche Zusammensein und Plaudern wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Zu unserer grossen Freunde haben wir alle gesund und munter angetroffen und wir wünschen  Euch  allen  dass  es  so bleibt. Allen  die  wir besucht  haben  ein  herzliches Dankeschön für die schönen Stunden und jenen die wir leider nicht besuchen konnten auch ein Dankeschön für das Verständnis. Unsere Reise schlossen wir mit einem Besuch in Nekarwestheim (D) bei einem Seglerpaar ab, mit dem wir 2004 einige Monate und vor unserer Atlantiküberquerung zusammen waren. Mit ihnen zusammen besuchten wir noch das Technikmuseum ins Sinsheim. Am 3. Juli hiess es endgültig Abschied von Europa nehmen und wir bestiegen in Frankfurt den Flieger nach Südamerika. Glücklicherweise machen die Fluggesellschaften keine Personen-gewichtskontrolle sonst hätten wir beide wo möglich für die angesetzten Fettpolster Übergewicht bezahlen müssen.

Voll gepackt mit Käse, Speck, Bratwürsten, Schokolade sowie einigen Ersatzteilen erreichten wir nach 24 Stunden Mercedes und die auf uns sehnlichst wartende Sina auf der „SVENYA“.

Bis Ende August herrschte ständig noch etwas Schweizeratmosphäre an Bord der „SVENYA“, dann waren alle Würste, der Speck und das letzte Stückchen Käse aufgegessen. Nun können wir uns noch an den „Baslerläckerli“ und der TOBLERONE bei einem Käffchen freuen. Beides behandeln wir wie Goldstaub. Die Reise war für uns ein unvergessliches Erlebnis und wird in der kommenden Zeit immer wieder Gesprächsstoff liefern.

Dia de independencia

Am 25. August feiert Uruguay den Tag der Unab-hängigkeit. In der Nacht zuvor sind alle Lokale berstend voll und man tanzt bis in die frühen Morgenstunden. Der eigentliche Unabhängigkeitstag beginnt erst am Mittag, denn bis dahin muss noch der Kater ausgeschlafen werden. In Mercedes wird der Tag mit einem zwei-stündigen Defilee gefeiert, an dem Schulen, Organisationen, Musikcorps, die Küstenwache, die Armee und viele Reitergruppen mit über 300 Pferden teilnehmen. Letztere repräsentieren die Freiheitskämpfer die im Jahre 1811 den Kampf gegen die spanischen Kolonialisten aufnahmen. Die Bevölkerung steht am Strassenrand und spendet den einzelnen Gruppen Applaus. Auf einer Bühne stehenden die Vertretern von Regierung, Behörde, Politik und Armee und nehme die Parade ab.

Aus Respekt und Sympathie haben wir unser Schiff zusätzlich mit einer grossen Nationalflagge von Uruguay geschmückt. Die Stadtverwaltung war so freundlich uns eine grosse Flagge für diesen Feiertag zur Verfügung zu stellen. Hoch im Besanmast dokumentierte sie unseren Respekt und Verbundenheit. Leider gibt die Aufnahme die wahren Grössenverhältnisse nicht wieder. Die Flagge Uruguays war doppelt so gross wie die Schweizerflagge.

Wie geht es weiter?

Unser ursprünglicher Plan nach der Atlantiküberquerung war: Die südamerikanische Küste bis Buenos Aires runtersegeln, Argentinien entdecken und den Parana befahren, Uruguay kennen lernen und den Rio Uruguay befahren, anschliessend in einem grösseren Sprung zurück nach Paraty unsere Freunde Dany + Arktos ein weiteres Mal besuchen wie auch die Freunde in Barroquinha (das kleine Paradies), dann wiederum in einem grossen Schlag nach Fortaleza mit Abstecher in den Amazonas, dann Französisch Guyana, Aufenthalt in Surinam das sehr schön sei, weiter nach Venezuela mit Halt auf den ABC-Inseln, Durchqueren der Karibik ohne längere Aufenthalte, dann Kuba und anschliessend passieren des Panamakanals.

Der länger wie geplante Aufenthalt in Argentinien und Uruguay hat, wie man so schön sagt, uns zum „Grübeln“ verleitet. In Argentinien haben wir einige Langzeitsegler kennen gelernt und alle hatten dasselbe Ziel: Den Süden. So zum Beispiel Andy + Ulla mit der „BALAENA“. Sie haben schon mehr wie zwei Jahre auf Feuerland verbracht. Mit ihnen verbrachten wir zwei Monate in San Fernando und sie haben uns den Süden besonders schmackhaft gemachten. Ebenso das Schweizer Seglerehepaar Verena + Toby mit der „SANGOMA“, die letzten November die Reise in den Süden antraten und nun in Antofagasta Chile sind. Sie haben uns wertvolle Informationen gesandt.

Für uns war immer klar, wir wollen in den Pazifik, in die Südsee mit Fernziel Australien. In meiner Phantasie habe ich mir immer wieder ausgemalt wie schön das Einlaufen in den schönsten Naturhafen der Welt, Sydney, sein wird. Dieses Erlebnis sollte in meinem Lebenslauf nicht fehlen. Nur über den Weg waren wir uns plötzlich nicht mehr klar. Ab Buenos Aires gibt es drei grundverschiedene Möglichkeiten.

  1. Wie oben ausgeführt, zurück in die Karibik auf die Barfussroute. Den Weg aller Langzeitsegler via Panamakanal  in die Südsee.
  1. Via Südafrika nach Australien und von dort die Südsee besegeln.
  1. Richtung Süden via Ushuaia nach Chile, über die Osterinseln in die Südsee und Australien erreichen.

Gegen Variante eins spricht der wesentlich längere Weg in den Pazifik und Brasilien haben wir weitgehend kennen gelernt.

Variante zwei hat den Nachteil zweier grosser Etappen von 4000 respektive 4700 Seemeilen. Zwei Reisen zwischen 50 und 80 Tagen ununterbrochen auf See.

Bei der Variante drei bieten sich drei Routen an um in den Pazifik zu gelangen.

  • Die Fahrt durch die Magellan-strasse (orange Route). Sie ist sehr gefährlich da Strömungen bis zu 7 Knoten (13 km/h) herrschen. Der Unterschied zwi-schen Ebbe und Flut kann bis zu 12 Meter erreichen. Zudem machen plötzlich auftretende  starke Fallwinde dem Segler das Leben extrem schwer. Es ist allerdings der kürzeste Weg den Südamerikanischen Kontinent südlich zu runden.
  • Die Bekannteste, die Ruhm und Ehre einbringt, die Umrundung des Kap Horns von der falschen Seite (rote Route). Diese Fahrt durch das grösste Massengrab der Welt ist wegen seinen ständig wechselnden wie auch harten Wetterbedingungen und der oft groben See nur etwas für Kampfsegler und Helden. Nichts für uns, wir sind höchstens Helden in Strumpfhose! Diese Route ist ca. 650 sm länger wie durch die Magellanstrasse.
  • Der Beagle Kanal (grüne Route), eine Route die in den letzten Jahren zunehmend an Attraktivität gewann und heute von vielen Seglern befahren wird.

Ist die Meerenge bei „Islas de los Estados“ überwunden kämpft man nur noch gegen die Kälte. Diese Route ist ca. 500 Seemeilen länger. Einige Segler segeln ab Ushuaia auf sicherem Weg zwischen den Inseln nach Kap Horn um dies zu runden und den für sie wichtigen Eintrag im Logbuch zu haben.

Mitte August haben wir  uns nach sorgfältigem Abwägen für die Südroute durch den Beagle Kanal entschieden. Ab Ushuaia werden wir die Chilenische Küste bis Antofagasta hochsegeln. Für die ganze Reise rechnen wir grob mit einer Dauer von sechs Monaten. In Antofagasta werden wir einen längeren Aufenthalt machen um den richtigen Zeitpunkt (November Dezember) Richtung Osterinseln abzuwarten.

Im Verlaufe des Septembers oder Oktober werden wir Mercedes verlassen und in den Raum Buenos Aires segeln. Der UV-Schutz der Genua muss ein weiteres Mal nachgenäht werden. Das Schiff werden wir, entgegen erstem Plan, nicht aus dem Wasser nehmen. Das Antifouling¹ ist zwar nicht mehr wirksam aber durch den langen Verbleib im Süsswasser ist das Unterwasser sauber. Da wir uns auf dieser Reise in vorwiegend kaltem Wasser bewegen ist der Bewuchs gering und wir werden in Antofagasta das neue Antifouling aufbringen das in der Südsee wirken muss.

Wir müssen die „SVENYA“ für die Reise in den Süden noch nachrüsten. Die vorhandene Elektroheizung ist nicht ideal, da man ausschliesslich vor Anker liegt. Wir werden demzufolge einen Petrolofen kaufen. Zusätzlich müssen wir Leinen kaufen, zwei Stück á 125 Meter, denn in den Fjords kann das Schiff nicht schwojen (um den Anker drehen) und muss heckseitig an Land befestigt werden. Für die Navigation werden wir uns mit Pilots² ausrüsten. Die gängigen Navigationsprogramme sind zu ungenau und wichtige Details für den Segler fehlen. Und last but not least müssen wir uns noch Gedanken machen welche Ersatzteile wir zusätzlich mitnehmen wollen. Weder in Chile noch in der Südsee gibt es  Chipchandler. Als Letztes werden wir uns noch verproviantieren. In Puerto Williams und Ushuaia hat es wohl Lebensmittelläden aber die Preise ………..

Noch eine kleine Anmerkung. Ich habe mich seinerzeit überreden lassen bei Facebook mitzumachen. Inzwischen habe ich festgestellt es ist nicht das Kommunikationsmittel das meinen Bedürfnissen entspricht. Ich ziehe es vor mit meinem Freundeskreis individuell und persönlich zu verkehren. Kommt hinzu dass wir nicht online sind, also Internetkaffees aufsuchen müssen die auch nicht gratis sind. Ich werde demnächst meinen vernachlässigten Eintrag löschen und hoffe niemanden zu enttäuschen.

Noch ein „Happy Birthday“  nach Tafers. Bei der heutigen Schnapszahl  09.09.09 wird jemand 30? 40? oder sogar 50? Egal, liebe Michèle wir wünschen Dir alles Gute, bleib gesund, zufrieden und glücklich.

Das wären die letzten Neuigkeiten von Bord der „SVENYA“. Unser nächster Reisebericht wird Euch nach der ersten Halbetappe und dem Etappenziel Ushuaia erreichen.

Bis dahin wünschen wir Euch alles Gute und verbleiben

Mit herzlichen Grüssen

René (Sven), Viola + Sina

¹ Antifouling ist eine spezielle Farbe die den Bewuchs am Unterwasser eines Schiffes durch Algen und Muscheln verhindern soll.

² Pilots sind Seehandbücher die über ein Seegebiet und dessen Küste Auskunft gibt. Sie enthalten zudem wichtige Informationen über das Land, Häfen und Ankerplätze mit genauen Positionen, Treibstoff- und Einkaufsmöglichkeiten. Die meisten Pilots wurden  in mühseliger Kleinarbeit von Langzeitseglern geschrieben.


Die Aura-Crew wünscht Frohe Weihnachten!

23. Dezember 2009

Seid alle gegrüßt, habt an allen Tagen des kommenden Jahres eine saugute Zeit und einfach Freude am Leben!

und besucht uns auf Mallorca.


HR Monsum 31 for sale

14. November 2009

Wonderful swedish cruiser for SA(I)LE

HR Monsum

Details und Bilder finden Sie unter http://sylucca.wordpress.com


Channel72 fragt seine Mitglieder

11. November 2009

Ilonka & Wolfgang von Segelyacht Aura – die Initiatoren von Channel72 – leben jetzt auf Mallorca. Mit fester Adresse und entsprechendem Internetzugang wollen wir Channel72 wieder aufleben lassen. Da die schon registrierten Mitglieder seit Monaten keine Berichte mehr veröffentlicht haben, bekommen sie heute eine E-Mail mit dem Hinweis, den unten stehenden Fragebogen auszufüllen. Selbstverständlich freuen wir uns auf Hinweise und Tips für eine aktive Beteiligung an Channel72.